André Danican Philidor[ bearbeiten ]

Kupferstich von 1772

Francois-André Danican Philidor (* 7. September 1726 in Dreux bei Paris; † 31. August 1795 in London) war ein französischer Komponist und galt zu seinen Lebzeiten als bester Schachspieler der Welt. Heutzutage ist die Erinnerung an sein Musikschaffen verblasst, dafür ist er als grundsteinlegender Vordenker modernen Schachs weltbekannt. Nach ihm ist die Philidor Verteidigung im Schach benannt.

Leben

Musikerfamilie

Der ursprüngliche Name der Familie war Danican (D´Anican), sie war schottischer Herkunft (Duncan). Philidor entstammte einer Musikerfamile, bereits sein Großvater Jean Danican Philidor (ca. 1620-1679) war Musiker am Grande Écurie in Paris. "Philidor" ist eine spätere ungeklärte Ergänzung seines Namens. Es wird berichtet, daß Michel Danican, wohl Philidors Großonkel, durch sein Spiel Ludwig XIII. zu dem Ausruf brachte, er erinnere ihn an einen italienischen Oboisten namens Filidori. Sein Vater André Philidor (genannt Philidor l´ainé) (1647-1730) war zunächst ebenfalls in der Grande Écurie, dann am Hofe, in der Kapelle Ludwigs XIV. beschäftigt. Beide Vorfahren Philidors waren Komponisten, doch sind von Jean Danican Philidor keine Werke erhalten. Das Spiel von Philidors Vater (Pauke, Oboe, Krummhorn, Trummscheit und Fagott) fand die Zustimmung von Ludwig XIV., wie aus Gunstbezeigungen zu schließen ist.

Philidors ältester Bruder Anne Philidor (1681-1728) ist als Begründer des Concert spirituel in die Musikgeschichte eingegangen, einer periodischen Veranstaltung öffentllicher Konzerte, von 1725 bis 1791.

Philidor entstammt der zweiten Ehe seines Vaters. Er ist das dritte Kind aus dieser Verbindung (Elisabeth Le Roy ging 1719 als 19-jährige in die Eheschließung), sein Vater war bei Philidors Geburt 79 Jahre alt und starb 4 Jahre darauf. Die Bedeutung von André Philidor für die Nachwelt lag nicht in seinen Kompositionen, sondern in seiner Sammelleidenschaft und Kopiertätigkeit für die königlichen Musikarchive. Dank seines jahrzehntelangen Bemühens konnte sich eine Fülle Material erhalten, das diese Musikepoche mit Kompositionen belegen kann.

Jugend in Versailles und Paris

Bereits als 6-jähriger begann Philidor seine Musikerlaufbahn: er wurde Page der Kapelle von Versailles, wo er sowohl in die Grundlagen der Musik (vom Kapellmeister) als auch die des Schachs eingeführt wurde (von den Musikern). Als 12-jähriger konnte er seine erste Komposition vorlegen, eine Motette. Ludwig XV. war über die Leistung des Wunderkindes so entzückt, daß er ihm fünf Louisdor dafür schenkte.

1740 verließ Philidor die Kapelle und nahm seinen Wohnsitz in Paris, wo er zunächst als Musiklehrer und Musikkopist seinem Broterwerb nachging. Doch schon bald kam er mit dem Café de la Régence in Berührung und wurde Schüler des besten französischen Spielers, der in diesem Café als Berufsspieler tätig war: Kermur Sire de Legal. Zunächst bekam Philidor vom Meisterspieler Vorgaben, doch innerhalb kurzer Zeit erwies sich der Jugendliche als seinem Lehrer turmhoch überlegen.

Zwar war fortan Schach eine leidenschaftliche Betätigung Philidors, die ihn von seinen Musikstudien ablenkte, doch vergaß er nicht das Komponieren. Neben weiteren komponierten Motetten half er 1745 Jean-Jacques Rousseau bei der Vollendung von dessen Opernbalett Les muses galantes.

Niederlande, England, Preußen

Eine mißlungene Musiktournee durch Europa ließ Philidor Mitte der 40er Jahre in den Niederlanden stranden. Er versuchte sich in Den Haag mit dem professionellen Schachspiel durchzuschlagen und traf auf englische Offiziere, die ihn überredeten, nach London zu ziehen. In London begegnete er Abraham Janssen und dem berühmten Syrer Philip Stamma, den er in einem Wettkampf auf zehn Partien deutlich mit 8-2 besiegte.

1749 und 1751 war er Gast in Potsdam am Hofe Friedrich II., der ihn sowohl als Komponisten schätzte als auch als den besten Schachspieler seiner Zeit. In Berlin spielte Philidor, damals eine kaum glaubliche Sensation, an drei Brettern gleichzeitig Blindschach.

Zuvor, 1749, veröffentlichte Philidor ein Werk in London, das für die Entwicklung des Schachspiels von nachhaltigster Bedeutung wurde: L´Analyse des échecs. Ein Werk, in dem er die theoretischen Grundlagen des Positionsspiels beschrieb. Unter anderem stellte er darin die Bedeutung der Bauernstruktur besonders hervor: Die Bauern sind die Seele des Schachspiels. Der wohl berühmteste Ausspruch Philidors, der Schachspielern in Erinnerung ist.

Wieder in Paris

Ab 1754 lebte Philidor wieder in Paris und komponierte vor allem Opern. Von 1759 bis 1765 kamen von ihm 11 Opern auf die Bühne, acht von ihnen waren große Erfolge. Seine berühmteste (Komische) Oper wurde Tom Jones (1765), eine Henry Fielding-Adaption. Sie wurde unlängst, im April 2004, in Hagen wiederaufgeführt.

Von großer Bedeutung sind außerdem seine tragische Oper Ernelinde, princesse de Norvège (1767) und sein Reqiuem von 1764 (zum zweiten Todestag von Jean Philippe Rameau).

Tod in London

Von 1775 an fuhr Philidor auf Einladung des London Chess Club einmal jährlich nach London, um im Klub eine Saison (Februar bis Juni) lang für eine Gage zu spielen. Dies geschah bis zum Jahre 1792, als ein Krieg zwischen England und Frankreich ausbrach. Philidor saß nun in England fest und durfte nicht nach Paris. Er starb im August 1795 in London, sein Grab ist nicht bekannt.

Werke

  • L´analyse du jeu des Eschecs, 1749

Kompositionen (Auswahl)

Opern:
  • Blaise le Savetier (1759)
  • Le Quiproquo ou le Volage fixé (1759)
  • Le Jardinier et son seigneur (1761)
  • Le Maréchal-Ferrant (1761)
  • Sancho Pança dans son île (1762)
  • Le Bûcheron ou les Trois souhaits (1763)
  • Le Sorcier (1764)
  • Tom Jones (1765)
  • Ernelinde (1767)
  • Le Jardinier de Sidon (1768)
  • L´Amant déguisé ou le Jardinier supposé (1769)
  • La Nouvelle école des femmes (1770)
  • Herne le chasseur (1773)
  • Le Puits d´amour (1779)
  • L´amitié au village (1785)
  • Thémistocle (1786)
  • La Belle Esclave (1788)
  • Bélisaire (1796, op. posth.)

Vokalmusik:
  • Motette (Versailles) (1738)
  • Motette (Concert spirituel) (1743)
  • Motette (Latin Music) (1752 oder 1753)
  • Motette (A Hymn to Harmony) (1754)
  • Motette (Lauda Jerusalem) (1754)
  • Air für Rousseaus Le Devin de village (1763)
  • Reqiuem zum Gedächtnis Rameaus (1764)
  • Te Deum (1786)

Instrumentalmusik:
  • L´Art de la modulation, 6 Quartette für Oboe (oder Flöte oder Violine), 2 Violinen und Cembalo (1755)

Literatur

  • Susanna Poldauf: Philidor : eine einzigartige Verbindung von Schach und Musik. Exzelsior-Verl. Berlin 2001. ISBN 3-935800-02-9


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Artikel Nr 164 / letzte Änderung am 07.01.2013, 21:31Uhr

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