Johannes Zukertort[ bearbeiten ]


Johannes Hermann Zukertort (* 7. September 1842 in Lublin; † 20. Juni 1888 in London) war ein bedeutender polnischer Schachspieler des 19. Jahrhunderts.

Leben

Zukertort war jüdischer Herkunft, sein Vater, Jankiel Ezechiel Cukiertort - seit 1833 Gottlieb (Bogumi³) Jan Zukertort (1801-1887) - war ein zum evangelischen Christentum konvertierter Jude gewesen, der nach seiner Bekehrung als Missionar unter den polnischen Juden wirkte. Diese Tätigkeit wurde vom zaristischen Staat nicht geduldet und die Zukertorts wurden 1855 aus dem Königreich Polen ausgewiesen.

Im preußischen Breslau erlangte Zukertort 1861 sein Abitur und schrieb sich im gleichen Jahr zum Studium der Medizin an der Breslauer Universität ein. Entgegen der weitverbreiteten Legende beendete Zukertort sein Studium nie und promovierte auch niemals – überzeugende Belege hierzu lieferten 2002 die polnischen Historiker Tomasz Lissowski und Cezary W. Domañski in ihrer polnischen Zukertort-Biographie Arcymistrz z Lublina (Warschau 2002).

Seine schachlichen Meriten errang er zunächst als Schüler von Adolf Anderssen in Breslau, der vielen damals als bedeutendster Spieler der Welt galt. 1871 gelang es Zukertort, seinen Lehrer im Wettkampf zu besiegen. Zuvor, im Jahre 1867, siedelte Zukertort nach Berlin um. Dort wurde er Mitglied der Berliner Schachgesellschaft und übernahm die Redaktion der Neuen Berliner Schachzeitung, deren offizieller, aber nicht praktizierender Hauptredakteur, Adolf Anderssen war. 1872 nahm Zukertort seinen ständigen Wohnsitz in London. Neben Wilhelm Steinitz galt er bald als bester Spieler in England. Zunächst jedoch verlor Zukertort einen arrangierten Wettkampf gegen ihn im Oktober 1872 mit 9-3 (7 Siege Steinitz, 1 Zukertort, 3 Remis). Nachdem sich Steinitz 1875 für 7 Jahre vom praktischen Spiel zurückgezogen hatte, da er keinen ernsthaften Gegner mehr sah, konnte Zukertort seine schachlichen Fähigkeiten laufend verbessern. Zu Anfang der Achtziger Jahre galt er bereits als klar bester Spieler nach Steinitz. Sein größter Erfolg, der überlegene Sieg im großen Londoner Turnier von 1883, das er mit 3 Punkten Vorsprung auf Steinitz, der zweiter wurde, gewann, ließ die damalige Schachwelt glauben, Steinitz’ Anspruch auf den „Champion of World“ sei vorbei und diese Ehre gebühre nun Zukertort.

Nach langwierigen Verhandlungen fanden sich in den USA, in die Steinitz mittlerweile ausgewandert war, Geldgeber, die eine „Championship of the World“, die im folgenden als erste offizielle Weltmeisterschaft im Schach galt, zwischen den beiden rivalisierenden „Champions“ finanzierten. Vom 11. Januar bis zum 29. März 1886 wurde ein Wettkampf auf 10 Gewinnpartien (Remisen zählten nicht) zwischen den beiden in New York, St. Louis und New Orleans ausgetragen, den Steinitz mit 12,5:7,5 (10 Siege, 5 Niederlagen und 5 Remis) für sich entscheiden konnte. Zukertort, der von seinem Arzt vor dieser neuerlichen Anstrengung gewarnt worden war, brach nach einer hohen Führung (4-1 nach dem Auftakt in New York) psychisch und physisch ein. Nachdem Steinitz in St. Louis auf 4-4 (in nur vier Partien) ausgleichen konnte, brauchte er nur noch 11 Partien in New Orleans um auf die erforderlichen 10 Gewinnpoints zu kommen.

Zukertort erholte sich nicht mehr von diesem Zusammenbruch und war nur noch „ein Schatten seiner selbst“ (Siegbert Tarrasch) in den folgenden wenigen Turnieren die er bis zu seinem durch einen Schlaganfall herbeigeführten Tod im Jahre 1888 (während eines Handicap-Turniers in London) spielte.

Nach Zukertort ist ein Eröffnungssystem benannt. Es entsteht nach den Zügen 1.Sg1-f3 (Zukertort war der erste Weltklassespieler, der diesen Zug, der damals als bizarr angesehen wurde, in der Turnierpraxis regelmäßig anbrachte.) 1...d7-d5 2.d2-d4 Sg8-f6 3.e2-e3 e7-e6 4.b2-b3. (Das Zukertort-System, das auch über andere Zugfolgen entstehen kann.) Zukertort selbst entwickelte meistens den weißfeldrigen Läufer nach e2, doch ist die moderne Spielweise ihn über d3 zu entwickeln. Einer der weltbesten gegenwärtigen Experten in diesem System ist der Großmeister Artur Jussupow.

Zukertorts höchste Historische Elo-Zahl betrug 2798; er führte (während Steinitz\´ Inaktivität und selbst nach dessen Rückkehr) die Weltrangliste von August 1878 bis November 1882, dann nochmals von Juli bis September 1883, an.

Partien

Zukertort – Blackburne, London 1883

Literatur

Cezary W. Domañski/Tomasz Lissowski: Arcymistrz z Lublina, Warschau 2002 (ISBN 83-86407-5-6)


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Artikel Nr 223 / letzte Änderung am 22.01.2013, 07:01Uhr

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