Blind-Simultan-Schach[ bearbeiten ]

Blind-Simultan-Schach ist eine Variante des Simultan-Schach.

Ein Spieler spielt gleichzeitig – simultan – gegen mehrere andere Schachspieler, wobei er die Bretter nicht sieht, also „blind“. Die Züge der „sehenden“ Spieler werden ihm angesagt.

In der Regel ist der Blindspieler ein deutlich stärkerer Schachspieler als seine Gegner.

Bereits im 18. Jahrhundert spielte André Danican Philidor gegen drei Gegner gleichzeitig blind, was damals als sensationell galt. Im 19. Jahrhundert brachte es der Amerikaner Paul Morphy auf 8 solcher Partien gleichzeitig. Im 20. Jahrhundert wurde die Zahl immer weiter gesteigert, als hervorragende Blindsimultanspieler profilierten sich unter anderem Harry Nelson Pillsbury, Richard Réti, Alexander Aljechin und Miguel Najdorf. Den Rekord hält George Koltanowski (USA), der 1961 gleichzeitig gegen 56 Teilnehmer blind spielte. Er gewann 50 Partien und spielte sechsmal remis, allerdings handelte es sich bei seinen Gegnern überwiegend um Anfänger. Der Ungar János Flesch behauptete, 1970 sogar gegen 62 Spieler blind gespielt zu haben. Dies wurde aber nicht allgemein anerkannt, zumal die Partien dieser Veranstaltung nicht veröffentlicht wurden. Belegt ist aber eine Vorstellung von Flesch am 17. Oktober 1960 in Budapest gegen 52 Gegner (+31,-3,=18).

Beeindruckender sind daher Blindsimultanvorstellungen gegen vergleichsweise starke Gegner. Beispielsweise spielte Großmeister Robert Hübner 1997 blind gegen die Mannschaft SF Köln aus der 2. Schachbundesliga. Er gewann den Kampf an 6 Brettern mit 5,5-0,5, d. h. er gewann 5 Partien, nur eine Partie endete remis. Auch Garri Kasparow ist als sehr guter Blindsimultanspieler bekannt.

Für den Blindsimultanspieler ist entscheidend, daß die einzelnen Partien möglichst früh einen unterschiedlichen Verlauf nehmen, so daß er sie auseinanderhalten kann. Trotzdem bedeutet eine solche Veranstaltung eine enorme geistige Anstrengung. Miguel Najdorf sagte, er habe nach einem Rekordversuch gegen 45 Gegner nächtelang nicht schlafen können und fast den Verstand verloren. In der Sowjetunion war seit 1930 das Blindspiel sogar verboten, weil man um die Gesundheit der Spieler fürchtete.

Das Blindschach darf nicht verwechselt werden mit dem Blindenschach oder der Schachblindheit.

Literatur
  • Ludwig Steinkohl: Phänomen Blindschach. Rau-Verlag, Düsseldorf 1992. ISBN 3-7919-0448-5


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Artikel Nr 962 / letzte Änderung am 10.03.2008, 21:09Uhr

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